Gesunde Kinderfüße sind die Grundlage: Natürliche Entwicklung und Bewegung sind entscheidend, sagt Petra Haviarová
Petra Haviarová ist eine erfahrene Kinderphysiotherapeutin, die sich seit mehr als zwei Jahrzehnten der gesunden Entwicklung von Säuglingen und Kindern widmet. In ihrer Praxis in Klatovy verbindet sie Fachwissen aus der Entwicklungskinesiologie mit NDT-Bobath-Techniken, craniosakraler Therapie und einem osteopathischen Ansatz. Ihre Arbeit mit Kindern ist geprägt von großem Respekt, Empathie und einem starken Fokus auf die natürliche Entwicklung. Eltern schätzen besonders ihre Fähigkeit, Zusammenhänge verständlich zu erklären und praktische Lösungen anzubieten, die im ganz normalen Familienalltag funktionieren. In diesem Interview spricht sie über häufige Probleme mit Kinderfüßen, die Bedeutung von Bewegung und darüber, warum einfaches Barfußgehen manchmal die beste Therapie ist.
Wie sind Sie eigentlich zur Physiotherapie gekommen – und wann haben Sie gemerkt, dass Ihnen die Arbeit mit Kindern am meisten Freude bereitet?
Nach dem Abschluss der weiterführenden Schule habe ich die Aufnahmeprüfungen sowohl für das Medizinstudium als auch für die Physiotherapie erfolgreich bestanden und stand vor der Entscheidung, welches Fach und welche Fakultät ich wählen sollte. Eigentlich wollte ich immer Medizin studieren. Für die Physiotherapie habe ich mich erst später entschieden, als ich in den Učitelské noviny eine Übersicht über Studiengänge durchgesehen habe. Das Fach hat mich sofort angesprochen – vor allem, weil man im Vergleich zur Medizin relativ früh nach dem Studium selbstständig arbeiten kann. Zusätzlich hat mich die damalige Möglichkeit eines weiterführenden Masterstudiums in Physiotherapie an der Fakultät für Sport und Körpererziehung mit dem Schwerpunkt Kunsttherapie sehr interessiert. Es war für mich die perfekte Verbindung all meiner Interessen – bildende Kunst, Musik und Gesundheitswesen.
Letztlich hat mich jedoch vor allem die Atmosphäre an der Zweiten Medizinischen Fakultät überzeugt. Der Studiengang Physiotherapie wurde dort gerade neu unter der Leitung von Dozent Pavel Kolář aufgebaut, und die Unterrichtsräume befanden sich direkt an der Rehabilitationsklinik des Universitätsklinikums Motol. Schon im ersten Studienjahr hat mich die Entwicklungskinesiologie besonders begeistert – und damit war auch die Entscheidung für die Arbeit mit Kindern gefallen. Seit nunmehr 21 Jahren arbeite ich mit Kindern und Säuglingen, und es erfüllt mich nach wie vor sehr. Während meiner Elternzeit habe ich meine eigene medizinische Einrichtung gegründet – zunächst in einer Gemeinschaftspraxis, heute arbeite ich vollständig selbstständig in eigenen neuen Räumlichkeiten in Klatovy.
Die Elternzeit mit vier Kindern hat sich zwar etwas länger hingezogen als geplant, doch dank der Unterstützung meines Umfelds konnte ich den Praxisbetrieb in reduziertem Umfang aufrechterhalten und mich gleichzeitig weiterbilden. So drehen sich mein privates und berufliches Leben seit vielen Jahren um Kinder – und beide Bereiche ergänzen sich auf schöne Weise.

Was empfinden Sie an der Kinderphysiotherapie als besonders erfüllend – und was als größte Herausforderung?
Die Kinder selbst. Ich bin sehr gern in ihrer Gesellschaft – sie faszinieren mich und bereiten mir große Freude. Die Kinderphysiotherapie kann im Kindesalter wunderbare Ergebnisse erzielen, doch vieles hängt von der Mitarbeit des Kindes und vor allem von der Unterstützung der Eltern bei der häuslichen Therapie ab. Und genau darin liegt ein gewisser X-Faktor, den man nicht vollständig beeinflussen kann.
Manchmal fordert mich meine Arbeit auch persönlich heraus, da ich eine geringe Toleranz gegenüber Kinderweinen habe und daher gelegentlich nach alternativen Wegen suchen muss. Die Herausforderung besteht darin, dass das therapeutische Ziel auf dem Weg nicht verloren geht – dass es präsent bleibt, auch wenn es von außen so wirkt, als würde das Kind „nur“ spielen. Es gibt viele unterschiedliche Wege, die zum gleichen Ergebnis führen können, und genau das liebe ich an dieser Arbeit. Sehr bereichernd ist für mich auch die Möglichkeit, mich kontinuierlich weiterzubilden und meine Arbeit um neue therapeutische Techniken zu erweitern. Das führte mich vor acht Jahren zur Weiterbildung in der NDT-Bobath-Therapie in der Pädiatrie und in jüngerer Zeit zur craniosakralen Therapie sowie zu osteopathischen Techniken.
Auf Ihrer Website erwähnen Sie, dass Sie den natürlichen Entwicklungsprozess eines Kindes möglichst respektieren möchten. Was bedeutet das für Eltern konkret in der Praxis?
Mit „Natürlichkeit“ meine ich zwei Ebenen. Zum einen fühle ich mich den Prinzipien der bindungsorientierten Elternschaft nahe – also dem Schaffen eines sicheren Umfelds, körperlicher Nähe, Tragen des Kindes, angemessenen Reaktionen auf seine Emotionen, aber auch dem klaren und konsequenten Setzen von Grenzen.
Die zweite Ebene besteht darin, Kindern Bewegungsmöglichkeiten in abwechslungsreichem natürlichen Gelände zu bieten – etwas, wovon wir uns durch moderne Annehmlichkeiten zunehmend entfernen. Dazu gehört Bewegung ohne Einschränkungen durch enge Kleidung oder ungeeignete Umgebungen wie rutschige Böden oder feste, starre Schuhe. Und nicht zuletzt bedeutet es, weniger Hilfsmittel zu verwenden und stattdessen mehr Aufmerksamkeit sowie einfache gemeinsame Aktivitäten mit Kindern zu fördern.

Mit welchen fußbezogenen Problemen bei Kindern kommen Eltern am häufigsten zu Ihnen?
Mit Kinderfüßen beschäftige ich mich bereits ab der Geburt, doch am häufigsten suchen mich Eltern mit etwa dreijährigen Kindern auf. Zu den typischen Anliegen gehören nach innen gekippte Sprunggelenke, Plattfüße, nach innen oder außen gedrehte Fußspitzen oder das Gehen auf den Zehenspitzen. Dabei ist eine gründliche Untersuchung des Kindes entscheidend, um die Ursache zu erkennen – denn diese liegt nicht zwangsläufig direkt in den Füßen. In manchen Fällen empfehle ich lediglich mehr Bewegung, in anderen gehen die Eltern mit gezielten Übungen für zu Hause. Manchmal entdecken wir auch Schwierigkeiten in einem ganz anderen Bereich, etwa bei der Integration frühkindlicher Reflexe, was eine völlig andere Therapieform erfordert. In bestimmten Situationen ist es zudem sinnvoll, die aktive Therapie durch individuell angepasste orthopädische Einlagen zu ergänzen.
Wann ist es Ihrer Meinung nach sinnvoll, mit Physiotherapie zu beginnen – und wann kann man noch abwarten, ob sich die Entwicklung „von selbst“ reguliert?
Bei Zweifeln würde ich Eltern keinesfalls raten, eine physiotherapeutische Konsultation aufzuschieben. Gerade bei Säuglingen und Kindern gilt: Je früher man beginnt, desto einfacher ist in der Regel die Lösung. Aus der Untersuchung ergibt sich, ob eine regelmäßige Therapie notwendig ist oder ob es ausreicht, die Entwicklung des Kindes nach einiger Zeit lediglich zu kontrollieren. In manchen Fällen bleibt es auch bei einem einmaligen Termin. Auch eine einmalige oder rein präventive Beratung kann sehr wertvoll sein – und ich mag diese Termine besonders. Dabei stärke ich Eltern in ihrer Sicherheit und Kompetenz, beantworte Fragen, empfehle geeignete Hilfsmittel und Handling-Techniken und wir sprechen auch über das richtige Schuhwerk…

Wie und wann sind Sie erstmals mit den Fußausrichtungssocken in Berührung gekommen, und was hat Sie davon überzeugt, dass sie sinnvoll sind? In welchen Fällen empfehlen Sie sie?
Die Fußausrichtungssocken kenne ich schon sehr lange. Die Version für Erwachsene habe ich seit über zehn Jahren zu Hause und nutze sie vor allem zur Entspannung. Ich habe mich auch nach einer Kinder-Version erkundigt und freue mich sehr, dass diese inzwischen schon seit einiger Zeit erhältlich ist. Ich empfehle sie bei Kindern mit Zehendeformitäten – sowohl bei angeborenen als auch bei solchen, die durch ungeeignetes Schuhwerk entstanden sind. Besonders gute Erfahrungen habe ich bei Kindern mit Hallux valgus, eng stehenden oder hammerförmigen Zehen gemacht.
Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Regeneration junger Sportler nach dem Training – insbesondere bei Sportarten, die spezielles, festes Schuhwerk mit schmaler Zehenbox erfordern, wie zum Beispiel Schlittschuhe, Fußballschuhe, Kletterschuhe oder Tanzschuhe. Nach der Belastung helfen die Socken dabei, die Füße wieder zu entspannen und zu regenerieren.
Gab es in Ihrer Praxis einen konkreten Moment, in dem Ihnen die Fußausrichtungssocken geholfen haben, ein bestimmtes Problem zu lösen?
An einen ganz konkreten Moment erinnere ich mich nicht, aber generell helfen sie dabei, Herausforderungen in der Zusammenarbeit mit dem Kind zu erleichtern. Kinder tolerieren das Tragen der Fußausrichtungssocken in der Regel sehr gut und mögen sie oft lieber als beispielsweise das Tapen, das in ähnlichen Fällen eingesetzt wird. Zudem lassen sich die Socken gut in Abendrituale integrieren, etwa beim Vorlesen einer Gute-Nacht-Geschichte, was auch die Regelmäßigkeit der Anwendung unterstützt. Sie sind eine hervorragende Ergänzung zur aktiven Therapie.

Welche Fehler machen Eltern Ihrer Erfahrung nach am häufigsten bei der Pflege der Kinderfüße, und was würden Sie ihnen raten, damit die Füße ihrer Kinder gesund bleiben?
Einerseits würde ich Eltern raten, großen Wert auf die sorgfältige Auswahl von Kinderschuhen zu legen – andererseits sollten Kinder Schuhe nicht ständig tragen.
Der Schuh sollte in seiner Form dem Fuß des Kindes möglichst gut entsprechen und im Fersenbereich gut sitzen. Leider kann man sich nicht immer ausschließlich auf die Beratung im Fachgeschäft verlassen. Wichtig ist, nicht nur die Länge, sondern auch die Breite des Kinderfußes zu messen und diese Werte mit den Innenmaßen des Schuhs zu vergleichen. Kinder sagen uns meist nicht, dass ein Schuh nicht richtig passt. Nicht selten stelle ich bei meinen kleinen Patientinnen und Patienten einen Spielraum von bis zu 3 cm fest – oder im Gegenteil deutlich zu kleine Schuhe, obwohl sie erst vor Kurzem gekauft wurden. Eltern kommen dann wegen nach innen gedrehter Fußspitzen, und es zeigt sich, dass das Gangbild barfuß völlig unauffällig ist. Deshalb widme ich dem Thema Schuhwerk sowohl in meiner Praxis als auch in den sozialen Medien viel Aufmerksamkeit. Einem Kind passende Schuhe auszuwählen, ist aus meiner Sicht eine wichtige elterliche Kompetenz.
Zu Hause empfehle ich, auf Hausschuhe möglichst zu verzichten, die Socken häufig auszuziehen und den Füßen vielfältige Bewegungsanreize zu bieten. Kindern barfußes Bewegen zu ermöglichen – idealerweise auch draußen – ist hervorragend. Diese barfüßigen Momente fördern nicht nur die Fußgesundheit, sondern wirken zugleich als natürliche und einfache Form der Abhärtung und Kräftigung.









